Mit dem Wasserstoff-Modellauto auf Kurs IdeenExpo
Einer für alle – alle für einen: Jörn Hauke, Fabian Beisler, Stefan Johannes Wottge und Luis Jableka gehen nicht nur gemeinsam auf die Berufsbildende Schule (BBS) in Burgdorf – sie machen dort auch ihre Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker für Fahrzeugtechnik – aufbauend auf der Berufsausbildung zum KFZ-Mechantroniker und einem Gesellenjahr.
Das Quartett nimmt außer Konkurrenz mit einem selbst gebauten Auto im Maßstab 1:10 mit Wasserstoffantrieb an der aktuellen Jet-Challenge teil. Premiere des Schülerwettbewerbs, bei dem es gilt, mit einem Elektroauto möglichst viele Runden auf einem Parcours zu absolvieren, ist auf der IdeenExpo am 25. Juni auf dem Expo-Gelände in Hannover.
„Wenn man jungen Leuten wie uns eine Aufgabe und ein Ziel gibt, dann sind sie auch bereit, volle Leistung zu geben“, sagt der 24-jährige Administrator und Projektleiter Stefan Wottge. Uwe Groth, Landesvorsitzender des VDI Niedersachsen, lobt ihn für diese Einstellung. „Euer Engagement ist außergewöhnlich. Wir brauchen mehr junge Leute wie euch.“ Luis Jabkleka (25) kümmert sich um das Fahrwerk des Flitzers und die additive Fertigung im 3D-Druck. Jörn Hauke (24) ist zuständig für die Drucktanks und den Wasserstoffbedarf. Fabian Beisler (25) ist verantwortlich für die technische Auslegung der Komponenten, die Antriebstechnik und das Prototyping. Jeder der vier bringt ganz unterschiedliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse für das Projekt Wasserstoff-Modellauto. Ihr Projektbetreuer heißt Christian Urban und ist Lehrer für Fahrzeugtechnik und Sport an der BBS Burgdorf.
Hintergrund für das Engagement der vier: Sie müssen in ihrer zweijährigen Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker ein innovatives Projekt realisieren. „Fabian und ich haben auf der Suche nach einer Idee 70 Unternehmen angeschrieben. Meistens gab es Absagen. Nur Professor Groth vom VDI hat sofort auf unsere Anfrage reagiert und uns zum Thema Wasserstoff als Innovation Unterstützung signalisiert“, berichtet Stefan Wottge. Drei schriftliche Prüfungen und ein praktisches Projekt mit Produktpräsentation sind die Hürden für das Quartett auf dem Weg zum staatlich geprüften Techniker.
Parallel zum staatlich geprüften Techniker können sich die Schüler bei der Handwerkskammer zur Meisterprüfung ihres Fachgebiets anmelden. Hier werden ihnen dann die schulischen Inhalte auf einen der vier Prüfungsteile – die Fachtheorie – angerechnet. „Den Meistertitel erhalten sie aber nur dann verliehen, wenn sie auch die anderen drei Prüfungsteile erfolgreich absolviert haben“, erläutert Eike Ehlers, einer der Verantwortlichen für den Bildungsgang.
Normalerweise fließen 120 bis 160 Stunden in das Projekt der angehenden Techniker. Im vorliegenden Fall ist jedoch davon auszugehen, dass dieses Projekt auf das gesamte Schuljahr gesehen zeitlich anspruchsvoller ausfallen wird.
Als erstes bei der Konstruktion ihres Fahrzeugs mit Wasserstoffantrieb besorgen sich Jörn, Fabian, Stefan und Luis das Fahrzeugchassis im Maßstab 1:10. Anschließend drucken sich sie sich alle weiteren benötigten Teile per 3D-Druck. „Alles, was wir selber produzieren können, machen wir selber. Die Bauteile wie die Batterie im Auto unterzubringen ist schon eine Herausforderung. Im Vorfeld haben wir das Lastenheft für das Fahrzeug geschrieben“, betont Projektleiter Stefan. Die vier wollen den Antrieb über Zahnräder steuern. Vorne befinden sich zwei Räder, hinten eines bei dem dreirädrigen Fahrzeug.
Die Brennstoffzelle dafür haben sie nach einer Internetrecherche günstig für 933 Euro bei einer Firma in Tschechien erworben. In der Zelle reagiert Wasserstoff mit dem Umgebungssauerstoff zu Wasser. Dabei entsteht elektrische Energie, die den Akku auflädt und das Fahrzeug antreibt. 1500 Euro beträgt der Gesamtwert des Fahrzeugs. Der VDI Niedersachsen fördert das Projekt. „Wir fahren zu 100 Prozent grün“, freut sich Luis Jableka. Rund 1000 Meter Fahrt auf Teppichboden gilt es mit der erzeugten Energie zu schaffen. „Das Ziel der vier ist es, außerhalb der Konkurrenz beim Schülerwettbewerb JeT-Challenge auf der IdeenExpo mitzumachen“, sagt Prof. Dr. Uwe Groth, Vorsitzender des VDI Landesverbands Niedersachsen.
Jörn Hauke kümmert sich im Projekt auch um die Fernbedienung des Autos mit einem Sender für Lenkantrieb und Elektromotor. 100 Watt pro Minute muss die Wasserstoff-Brennstoffzelle leisten, so haben es die vier ausgerechnet. Ostern schlüpft das Ei – dann fährt der Wagen. So ist der Plan. Dem Quartett ist zuzutrauen, das das auch klappt.





