Guru-Talk #4:

„Mach‘ keine Nachtschichten"

Svenja Fabisiak (26) aus Hannover ist Studentin im Master Maschinenbau an der Leibniz Universität Hannover. Sie gehört zu den Gurus auf ingenieurregion.de und beriet jahrelang junge Studierende als Tutorin beim konstruktiven Projekt im Studiengang Maschinenbau. Einer von ihnen ist der angehende Maschinenbaustudent Samuel Frank (20). Starten will er im Sommersemester 2022. Samuel hat in diesem Jahr sein Abi an der KGS Hemmingen in der Region Hannover gebaut. Auch Svenja ist dort zur Schule gegangen. Die beiden verbindet noch etwas – das Projekt JeT – Jugend entdeckt Technik von Prof. Dr. Uwe Groth. Der VDI-Landesvorsitzende begeistert damit junge Menschen bereits in den Schulen für MINT-Studiengänge und Berufe. In Wettbewerben wie JeT-Challenge konfigurieren landesweit Schülerinnen und Schüler Elektrofahrzeuge im Maßstab 1:8, optimieren den Energiebedarf und fahren dann Rennen aus. Dazu gehören auch klare Zuständigkeiten im Team und ein schlüssiges Marketingkonzept.

Svenja Fabisiak
„Es gibt Dozenten, die einem für Prüfungen Tipps geben. Andere benennen nur den Fächerkanon“, berichtet Guru Svenja Fabisiak.

Alles das bewertet eine Jury, der Svenja Fabisiak seit Jahren angehört. „Ohne das JeT-Projekt an der KGS Hemmingen wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, sagt sie. Auch Samuel Franks Studieninteresse ist durch JeT geweckt worden: „Maschinenbau ist genau mein Ding. Das habe ich über das VDI-Projekt herausgefunden.“ Er hat gerade Nachfolger für seine Schülerfirma Hex-a-print an der KGS Hemmingen gefunden. Das Unternehmen beschäftigt sich mit 3D-Druck und Design. Samuel hat darüber alle Drucker der Kooperativen Gesamtschule wieder zum Laufen gebracht und sogar eine eigene Druckersoftware geschrieben. Dann sei das Maker-Lab an der Leibniz Universität goldrichtig für ihn, wirft Svenja ein. In dieser studentischen Projektwerkstatt ist jeder willkommen, um Anlagen wie 3D-Drucker, Laser Cutter oder Werkzeugmaschinen zu nutzen und sich mit anderen auszutauschen – Praxis statt Hörsaal-Theorie.

Svenja weiß genau, wovon sie spricht. Denn sie hat das Maker-Lab mit aufgebaut. „3D-Druck und Elektrotechnik – das ist das, was wir dort am meisten machen. Die Studierenden sollen ihr Wissen praktisch umsetzen können“, erläutert sie den Sinn dahinter. Samuel ist sofort Feuer und Flamme, da er sich gerade beim 3D-Druck mit dem Thema Recycling beschäftigt und eine Recyclingstraße für Plastik aufbaut, um neues Fillament herzustellen. Dazu nutzt er einen Extruder als Aufschmelzeinheit. „Deswegen lasse ich mir auch noch Zeit mit dem Studium“, sagt Samuel. Das passt auch für Svenja. „Genau das machen wir gerade auch im Maker-Lab. Wir brauchen noch Leute wie Dich, die Lust haben, Projekte umzusetzen.“ „Vermittele mir doch mal den Kontakt zu den Leuten, die das Extruder-Thema gerade bei euch machen“, bittet Samuel.

Aber die beiden sind heute nicht nur in der Geschäftsstelle des VDI Bezirksvereins Hannover in der Hanomagstraße zusammengekommen, um über vergangenes zu fachsimpeln. Samuel hat ein ganzes Bündel an Fragen zusammengestellt, auf die er sich von Svenja Antworten erhofft. Sie erklärt ihm zunächst die großen Unterschiede zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können. „Im Bachelor erlernt man 6 Semester lang die benötigten Grundlagen. Im Master haben dann gefühlt auch die Dozenten mehr Freunde am Unterrichten, da sie dann über Themen sprechen, die sie selbst gerade bearbeiten“, klärt Svenja Samuel auf. Manche Institute böten interessante und spannende Vorlesungen. Das sei – wie vieles andere – abhängig von den Dozenten, die man bekomme. „Es ist cool und fordernd zugleich, Maschinenbau zu studieren“, resümiert Svenja. Wichtig sei es, ein Faible für Mathematik mitzubringen.

Technische Mechanik, Physik und Mathematik machen vor allem das Bachelor-Studium aus. Es gelte mindestens 15 von 30 Punkten pro Semester zu erreichen. „Wie viel Mathe ist es am Anfang – und wann wird es weniger?“ möchte Samuel wissen. „Erst im Masters wird es weniger“, erklärt Svenja. „Wenn Du keine Affinität zu Mathe hast, solltest Du das Studium besser lassen“, sagt sie. „Da fallen wirklich viele durch. Ein Professor sagte uns in der Vorlesung: Gucken Sie nach rechts – gucken Sie nach links – die Leute sehen Sie im nächsten Jahr nicht wieder.“

Trotz ihrer zwölf Punkte im Abizeugnis hat auch sie an der Uni die erste Matheklausur versiebt. „Nicht abschrecken lassen von einer durchgefallenen Prüfung“, lautet ihr Tipp an Samuel. Sie nutzte die Hörsaalübungen als Vorbereitung auf Klausuren. „Übungen machen den Meister in den mathematischen Fächern“, weiß Svenja. Dennoch sei sie nach dem zweiten Semester aufgrund der vielen Anforderungen mit den Nerven runter gewesen.

Sie wechselte während des Bachelors an eine Hochschule. „Das Studium ist dort anders aufgebaut. Die Gruppen sind dort kleiner – dafür ist alles schulischer. Auch gibt es bei Klausuren nur drei Versuche.“ Svenja nahm die Erfahrung mit und ging wieder zurück an die Uni. Hier schuf sie sich bewusst Freiräume für ihre Hobbies und Freunde. „Uni ist immer da – den Gedanken musst Du klein halten. Aktiv eine Pause zu machen ist extrem wichtig“, rät sie Samuel. Nach dem vierten Semester habe man mehr Freiräume – „das fand ich sehr entspannend.“

Ihr wohl wichtigster Tipp an Samuel lautet: „Mach‘ keine Nachtschichten. Entweder der Rechner stürzt ab – oder Du vergisst zwischendurch zu speichern.“ Ihr habe es geholfen, bereits drei bis vier Wochen vor einer Klausur mit der Vorbereitung zu beginnen und einen Lernzettel zu schreiben, um für sich den Stoff zu visualisieren. Der hohe Aufwand hat sich bereits jetzt für sie gelohnt. Denn seit November 2021 schreibt Svenja ihre Masterarbeit in Kooperation mit Contitech. Samuel Frank ist zufrieden – er fühlt sich gut von Svenja Fabisiak für sein Maschinenbaustudium beraten. „Das Gespräch war hilfreich – ich habe viel mitgeschrieben.“ Wenn er mit dem Studium begonnen hat, will er zum Thema Lernmaterial wieder auf Svenja zukommen. Sie will ihn unterstützen.

Svenja Fabisiak und Samuel Frank
„Wenn man in der Vorlesung nicht mitschreibt – hat man dann in der Prüfung verloren?“ möchte Samuel von Svenja wissen. Es gibt immer Skripts, kann sie ihn beruhigen.

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