Guru-Talk #2:

„Den kenn‘ ich – da kann ich Dir helfen“

Software-Entwickler gehen manchmal seltsame Wege. Mit zwölf programmiert Jonas Habel sein erstes Spiel. Mit 14 schreibt er eine Sicherheitssoftware, um seine Geschwister auszuspionieren. Später studiert er im dualen Studium über VW Mechatronik an der Hochschule Hannover. Im Januar macht der heute 29-jährige seinen Master in IT-Security an der Ruhruniversität Bochum. Und im März gewinnt er mit seiner Firma Flexxter den dritten Preis beim Startup-Impuls Wettbewerb von hannoverimpuls. 11.000 Euro Preisgeld ist den Juroren die Software-Lösung für Bauingenieure und Projektbeteiligte wert – ein wichtiges Ziel abgehakt für Jonas Habel und seine Mitgründer Axel Mayer und Christian Gollasch. Jetzt, im August, ist Jonas der erste Teilnehmer beim Mentoring-Programm Startup VDI Engineers.

Feierlicher Moment – die Unterzeichnung der Mentoringvereinbarung (v.l.): Jonas Habel, Uwe Groth, Christian Maxin.

Sein Mentor heißt Christian Maxin (39), Mitglied im VDI Kuratorium Hannover und Geschäftsführer von dp elektronik, einem Systemanbieter für professionelle Zeiterfassungslösungen und elektronische Zugangsberechtigungen in Langenhagen. Er hat 2003 im väterlichen Betrieb angefangen – und praktisch alles erlebt: vom falschen Geschäftsmodell und wegbrechenden Kunden, hohen Schulden über den Turnaround bis zu Corona. Krise als Chance: „2020 war unser bestes Jahr in der Firmengeschichte“, freut sich Maxin. Denn die Digitalisierung der Wirtschaft und das Thema Homeoffice spielten ihm und seinen Produkten in die Hände.    

Die beiden Unternehmer an einen Tisch gebracht hat Prof. Dr. Uwe Groth (63), VDI-Landesverbandsvorsitzender Niedersachsen und Dozent für Entrepreneurship an der Leibniz Fachhochschule in Hannover: „Ich möchte Startup-Unternehmen beim Thema Innovationsförderung unterstützen und ihnen dabei helfen, sich besser zu vernetzen. Der Jonas ist ein Macher und kein Planer – deshalb passt er da gut rein. Mit Christian hat er genau den richtigen Partner und Berater – einen arrivierten Geschäftsmann mit viel Führungserfahrung.“ Das Mentoringprogramm ist ein neuer Baustein bei Startup VDI Engineers. Prof. Groth ist auch Guru auf ingenieurregion.de.

Mentoring lebt von Ehrlichkeit und gegenseitiger Wertschätzung. Der Mentee fragt nach Rat – der Mentor gibt Antworten, ohne sich dabei in den Mittelpunkt zu stellen. Er fordert und fördert. Welche Inhalte behandelt werden, handeln die Beteiligten unter sich aus. Meist geht es um Unternehmensführung und den richtigen Umgang mit den Ressourcen Zeit und Geld.   

75 Prozent aller Baustellen werden nicht rechtzeitig fertig, haben Jonas und seine Mitstreiter herausgefunden: „Natürlich spielt auch das Wetter eine Rolle. Meist liegt es aber an mangelnder Kommunikation.“ Zwischen Planung und Umsetzung hakt es. So setzt der Subunternehmer seine Leute falsch ein, weil er nicht weiß, dass der Architekt etwas an der Bauplanung geändert hat. Verzögerungen entstehen. Da kommt Flexxter ins Spiel. Die Bausoftware gewährt allen Projektbeteiligten Einsicht. Und das für kleines Geld – gerade mal 50 Euro im Monat. „Unser Ziel ist die Masse der Baufirmen“, kommentiert das Habel. Gerade hat er mit seinem Investor NBank Capital die zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen. Die Zeichen stehen auf Wachstum.    

„Wir haben alle gute Ideen – nur setzen wir sie nicht um“, sagt Christian Maxin. Man spürt, dass ihm Jonas Habel imponiert und sympathisch ist. Wichtige Voraussetzungen für ein funktionierendes Mentoring. Lillian Turner de Tormes Eby von der Georgia Universität in Athens wollte es genau wissen. Die Wissenschaftlerin wertete die Daten von 173 dokumentierten Mentoren-Mentee-Fällen aus. Sie stellte drei Indikatoren für den Erfolg eines Duos fest: Gegenseitige Sympathie und Empathie. Übereinstimmungen bei Arbeitsweisen, Attitüden und Werten. Ganz wichtig: Ein Mentoringprogramm muss sich für beide Partner lohnen – persönlich wie beruflich.

„Ich versinke in Meetings – da müssen neue Workflows her. Jetzt sind wir acht Leute und stehen kurz vor der Expansion. Das hast Du ja schon hinter Dir. Wäre richtig cool, wenn wir uns da austauschen können“, freut sich Jonas Habel auf das nächste Treffen mit seinem Mentor Maxin. „Komm‘ gerne auf ein Bier oder Kaffee vorbei. Einen schönen Balkon haben wir auch“, lockt er sein Gegenüber in die Venture-Villa in der Walderseestraße. Aktuell sucht er Kontakt zum bundesweiten Premiumhandwerker-Netzwerk des Malerfachbetriebs Heyse. „Den kenn‘ ich – da kann ich Dir helfen“, antwortet ihm Maxin, der Jonas Geschichte spannend findet.   

Das Erfolgsrezept hinter einem guten Mentor-Mentee-Verhältnis ist die persönliche Beziehung unter Gleichgesinnten mit sichtbaren Ergebnissen, hat Lillian Turner de Tormes Eby herausgefunden. „Jonas und Christian sind da auf einem guten Weg“, prognostiziert Professor Groth. Er hat sich vorgenommen, den Mentee in das VDI-Kuratorium aufzunehmen. Dabei sind bislang gestandene Firmen wie der Ventilhersteller nass magnet und der Autozulieferer faurecia. „Wir wollen uns verjüngen“, sagt Groth. Auch der VDI Niedersachsen profitiert von seinem  Mentoringprogramm.

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